Was für ein verrückt-schöner Tag gestern! Am Vormittag war ich noch kurz in der Stadt, weil ich mir eine Strickjacke holen wollte für das Festival am Freitag. Tony Robbins wird die Arena auf 18°Grad herunter kühlen und ich glaube dafür habe ich zu wenige Schichten eingepackt. Ich freue mich schon soooo sehr auf das Festival, auf Tony Robbins, Laura Malina Seiler, Tobias Beck, Veit Lindau, John Strelecky, Stefanie Stahl und und und. Ich habe die Möglichkeit sie alle live zu sehen – das ist doch Wahnsinn!! Ich fühle mich wie ein Groupie. So wie damals bei den Backstreet Boys, oder der Kelly Family, die ich live nie sehen konnte. Und jetzt habe ich zwei wundervolle Tage, vollgepackt mit wundervollen Menschen, Impulsen und Eindrücken vor mir – ich kann das noch gar nicht richtig fassen…
Jedenfalls war ich auf der Jagd nach einer Strickjacke – ich meine wie schwer kann das sein? Sehr schwer. Denn wie ich herausstellte, haben sich meine Ansprüche beim Einkaufen total verschoben. Abgesehen vom Preis ist nämlich auch Nachhaltigkeit enorm wichtig für mich. Ich kann mir keine Kleidung mehr in Billigläden kaufen, weil ich ständig an die Produktionsstandards denken muss. Werden die Menschen fair entlohnt? Welche Arbeitsbedingungen herrschen dort? Wo kommt das Material her? Ich habe natürlich noch nicht das nötige Geld, um mir Sachen zu kaufen, wo all diese Kriterien zu 100% positiv erfüllt sind, aber es gibt Alternativen. Second Hand ist für mich so eine Alternative. Zwar weiß ich auch bei diesen Sachen nicht um die Produktionsstandards Bescheid, aber sie sind eben nicht neu. Sie wurden weggegeben, weil sie andernfalls am Müll landen würden.
So kann ich also wenigstens dazu beitragen weniger Müll zu produzieren – also ich für mich. Und meistens sind die Sachen günstig. Also Win-Win für mich. Ich merke das übrigens auch sonst beim Einkaufen. Ich achte sehr stark auf Verpackungen und versuche Dinge zu kaufen, die entweder kaum oder mit Papier eingepackt sind, oder zumindest einen hohen Anteil an recyceltem Plastik haben. Es ist verrückt, dass die Sachen, die gut für unsere Umwelt und damit für uns sind, meistens das Doppelte kosten! Irgendwann – das weiß ich ganz sicher – werde ich mir über die Kosten keine Gedanken mehr machen müssen. Es wird normal sein für mich, nur noch solche Produkte zu konsumieren. Oder ich stelle sie dann selbst her.
Naja, jedenfalls bin ich an einem Zalando-Outlet-Store vorbeigekommen und habe da instinktiv reingeschaut. Schon alleine, weil ich noch nie ein Geschäft von Zalando gesehen habe. Ich kenne es nur online und meistens eben sehr hochpreisig. Sale-Schilder soweit das Auge reicht und dann hab ich ein kleines blau-grünes Schild in einer der hinteren Ecken entdeckt, das mich angezogen hat. Diese Farben repräsentieren Nachhaltigkeit ja förmlich – zumindest für mein geimpftes Gehirn. Tatsächlich fand ich eine „Second-Chance“-Ecke vor. Sachen, die wohl wieder an Zalando zurückgegangen waren, aber bereits getragen waren. Die Ecke war im Vergleich zum restlichen Teil des Geschäfts wirklich mickrig, aber die Sachen extrem günstig. Strickjacke hab ich dort keine gefunden, aber dafür zwei Jeans für 20€.
Ja doch – ich habe eben erst mein Gewand aussortiert, aber dabei flogen viele Jeans raus, weil sie zu kleine Größen hatten, aus denen ich ja wieder rauswachsen möchte. Wenn ich solche Hosen zu Hause habe, neige ich dazu meinen Körper und damit mein Gewicht, daran zu messen. Größe 36 ist aber für meine Größe und meine Proportionen keine gesunde Größe – mich daran zu messen wird mich also stets in einem für mich ungesunden Gewichtsbereich halten. Ich wiege mich ja nicht – ich hasse es. Ich will die Zahlen auf der Waage nicht sehen, weil dann sofort meine Gedanken zu rasen beginnen. Zudem muss ich mich dafür ja auch ausziehen, was mir in den meisten Fällen auch schwer fällt, weil ich meinen Körper eben nicht so akzeptiere wie er ist. Das ist nunmal Fakt.
Damit ist meine Kleidung, also meine Hosen, mein Gewichtsparometer. Oben rum habe ich meistens weite Sachen an. Ich mag keine enganliegenden Oberteile weil man, oder besser ich dann die Konturen meines Bauches sehen kann. Das ist mit die allerschlimmste Körperregion für mich – mein Bauch. Ich habe mich darauf getrimmt, ihn immer flach zu halten. Dafür habe ich früher extra flach geatmet, damit mein Bauch sich nicht wölbt. Oder ich habe ihn ständig eingezogen, am Anfang bewusst, dann wurde es zu einer Gewohnheit. Das Schlimmste ist für mich die Zeit nach einem Essen, denn dann wölbt sich nun mal der Bauch, auch wenn ich nicht viel gegessen habe. Zumindest hatte ich dieses Gefühl. Wer mich kennt und mein Bild vor sich hat, wird sich wahrscheinlich denken – das ist doch verrückt, da ist doch gar kein Bauch! Verrückt ist das nicht, das ist krank. Das genau ist Teil der Essstörung.
Da wollte ich aber wiedermal gar nicht hin, Herrgott nochmal! Strickjacke habe ich keine gefunden, aber eine andere Jacke, die ich gegebenenfalls gut in meinen Rucksack knautschen kann, wenn die Temperatur in der Arena es zulässt. Um 11:00 Uhr hatte ich einen Termin zum Zähne Aufhellen. Was? Wie kommt das denn jetzt? Schon als ich am Dienstag früh zum Hotel gegangen bin, ist mir neben dem Laden in dem es die leckeren Bowles gibt eine Zahn-Aufhell-Klinik aufgefallen, auch direkt neben dem Hotel. Ich gebe ja sehr viel auf meine Zähne und auf deren Erscheinen. Dass ich überhaupt noch so gesunde Zähne habe, grenzt in Anbetracht der letzten 20 Jahre ständigem Erbrechens wirklich an ein Wunder. Deshalb hege und pflege ich sie wo ich kann.
Ich gehe mindestens einmal im Jahr zur professionellen Zahnreinigung in die Uni-Zahnklinik. Ich habe mir die teure (war aber damals an ein Amazon-Prime-Angebot) IO von Oral-B zugelegt und teste wirklich jede zahnaufhellende Zahnpasta die auf den Markt kommt. Jetzt wo ich keine Zigaretten mehr rauche und auch den Kaffeekonsum eingeschränkt habe, verfärben sich meine Zähne auch nicht mehr so stark. Durch mein Alter gibt es aber eine gewisse Grundverfärbung und das wird ja mit der Zeit nicht besser. Also helle ich meine Zähne alle paar Jahre mal auf. Das letzt Mal ist glaube ich 6 oder 7 Jahre her. Als ich also den Laden direkt neben dem Hotel sah und ein Aktionsangebot dazu, musste ich einfach rein und nach einem Termin fragen. Das habe ich gleich am Dienstag gemacht und schon für den nächsten Tag, also gestern einen bekommen.
Es ist eine beschissene Prozedur, die 80 Minuten gedauert hat. Man bekommt da so ein hartes Plastikstück in den Mund, damit die Lippen nicht die Zähne berühren und dann wird mehrmals ein Gel auf die Zähne aufgetragen und mit UV-Licht bestrahlt. Man muss eine spezielle Brille tragen, damit man nicht in das UV-Licht schaut und einfach liegen und warten. Es ist nicht nur langweilig (ich hab mir derweil eine Podcastfolge von Mel Robbins angehört), es wird mit der Zeit auch richtig unangenehm diese Maulsperre zu tragen. Ich dachte nur, wenn das Teil aus meinem Mund genommen wird, werde ich aussehen wie diese Frauen, mit den aufgespritzten U-Boot-Lippen. So zumindest hat es sich angefühlt.
Danach waren meine Zähne aber wirklich erheblich heller geworden, so bald wiederholen möchte ich es dennoch nicht. Ich habe mich anschließend gleich auf den Weg zum Bahnhof gemacht um nach Frankfurt zu fahren. Am Bahnsteig wartete bereits meine T.E. auf mich und es tat so unfassbar gut, sie einfach wieder in den Arm nehmen zu können! Wir sind zu ihr in die Wohnung gefahren, wo ich zuletzt vor 5 Jahren war. Mein Cousin A. war noch unterwegs, würde aber später dazustoßen. Wir haben so viel gelacht, uns intensiv ausgetauscht und wie immer viele AHA-Momente gehabt. Wir beide. Es ist vollkommen egal ob wir uns persönlich gegenüber sitzen oder telefonieren, unsere Gespräche sind immer so unfassbar wertvoll. Natürlich ist es um einiges schöner, sie dabei in Reichweite zu haben.
Meine T.E. stellte fest, dass ich wieder abgenommen habe seit unserem letzten Treffen im Mai – mir war das eigentlich nicht aufgefallen. Sie begann also gleich damit, sich um mein leibliches Wohl zu kümmern und ich habe die beste Frittatensuppe aller Zeiten gegessen. Gleich zwei Teller voll, weil sie so unfassbar gut war. Später wäre sie auch noch losgegangen um einen Kuchen für den Kaffee zu holen, aber davon konnte ich sie Zum Glück abbringen, ich war noch nie so der Kuchen-Mensch und wenn dann meist im Zuge von einem FA. Außer der berühmte Schoko-Nuss-Kuchen von Oma, der geht immer und Mum’s Sachertorte. Aber weil ich beides eben so selten bekomme, haben sie so einen hohen Stellenwert.
T.E. gab mir noch ein Care-Paket aus Müsliriegel und einem dicken Paar Wollsocken mit, sowie eine Bowl mit Reis, Avocado und Lachs für den Heimweg. Außerdem ein kleines Büchlein, geschrieben von einer mir noch unbekannten Frau – „Ruth Pfau – Leben heißt anfangen„. Alleine wie sie beschrieben ist finde ich großartig und beeindruckend – da hat meine Tante wieder den Nagel auf den Kopf getroffen, ich freue mich sehr es zu lesen! Die Zeit war einfach wieder viel zu kurz, aber keine Minute möchte ich davon missen!
Um halb zehn abends ging dann mein Zug zurück nach Köln, wo ich kurz vor elf wieder im Hotel eintraf. Ich habe noch die Bowl gegessen, weil ich wirklich noch Hunger hatte und bin dann sofort eingeschlafen. Wieder war es eine total stressfreie Nacht, ohne Einschlafprobleme, ohne Ziehen in den Beinen – einfach schlafen. Was für eine Wohltat das ist, ich hatte es schon fast vergessen wie gut Schlafen tun kann. Heute ist es ziemlich kühl und es regnet. Um 13:00 Uhr hole ich R. vom Bahnhof ab, da kommt sie aus Zürich an und wir werden mal was trinken gehen. Es ist das erste persönliche Treffen, seit sie mich auf Instagram angeschrieben hat und darauf freue ich mich sehr. Ich habe mir heute beim Frühstück mal alle Fragen die ich bezüglich des Network-Marketing-Business habe aufgeschrieben und will mit R. einen Weg erarbeiten, wie ich das gut für mich umsetzen kann.
Es geht mir gerade wirklich gut.